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Kathi Mujynya

Der «Schlieremer»: Frauen an der Spitze von Unternehmen

Artikel im Schlieremer Magazin vom November 2020

«Es war nicht immer einfach»

Das Führungsteam von Cutiss besteht aus fünf Personen, darunter drei Frauen. Eine davon ist die 52-jährige Kathi Mujynya Ludunge. Sie ist seit einem Jahr Chief Operating Officer. Cutiss hatte bis vor kurzem nur das Forschungslabor in Schlieren. Neu befinden sich auch die Büros des 2017 gegründeten Startups sowie die Produktionsräumlichkeiten hier. Mujynya Ludunges grösste Herausforderung ist deshalb gegenwärtig, die operativen Strukturen in Schlieren aufzubauen und zu festigen sowie die Zeitvorgaben und das Budget einzuhalten.

Cutiss ist ein Life-Science-Unternehmen, das personalisierte Hauttransplantationstechnologien zur Behandlung eines grossen Spektrums von Hautdefekten entwickelt. Die Marktzulassung für Europa für den am weitesten fortgeschritten Produktkandidaten, denovoSkin, wird für 2023 erwartet. Cutiss erreichte in diesem Jahr im Wettbewerb «Top 100 Swiss Startup Award» den 1. Platz. Das Unternehmen zählt dreissig Mitarbeitende.

Mujynya Ludunge hat an der Ecole Supérieure de la Santé in Neuenburg Biologie studiert und nachher einen Master in Business Administration an der Universität Genf gemacht. Später kam noch das Postgraduierten-Diplom in Management of Biotech and Pharmaceuticals Venture an der ETH Lausanne dazu. «Ich wollte schon immer die Übersicht haben und das grosse Ganze verstehen», sagt Mujynya Ludunge zu ihrem jetzigen Job. «Gleichzeitig möchte ich Organisationen positiv weiterentwickeln und meine Energie und Leidenschaft für Wissenschaft mit anderen teilen.» Mujynya Ludunge hat in den vergangenen 18 Jahren Teams in der Schweiz, den USA und Singapur geleitet.

Ihr Aufstieg in Leitungspositionen sei «nicht immer einfach» gewesen, erklärt Mujynya Ludunge. Einerseits sei es früher nicht üblich gewesen, dass Frauen auf mittlerer und hoher Führungsebene vertreten waren und auch die Verantwortung für ganze Teams trugen. Andererseits sei sie nicht nur eine Frau, sondern auch noch eine «Person of Color» – ihr Vater ist Kongolese, ihre Mutter Schweizerin. «Glücklicherweise ist die Welt im Jahr 2020 deutlich vielfältiger geworden», sagt Mujynya Ludunge.

Mujynya Ludunge arbeitet zwischen fünfzig und sechzig Stunden pro Woche. Es gelinge ihr aber inzwischen immer besser, an Wochenenden nicht an Arbeit zu denken, sagt sie. Ausserdem habe sie das Glück einer grossen Familie, die sie privat auf Trab halte. Mujynya Ludunge ist verheiratet und Mutter von fünf Kindern. In ihrer spärlichen Freizeit liest sie viel – «hauptsächlich zwischen 23 und 1 Uhr nachts». Zudem bauen sie und ihre Familie Obst und Gemüse für den eigenen Gebrauch an. Mit der Ernte des Gartens liebt sie es abends und an Wochenenden für Familie und Freunde zu kochen.

Artikel in SI Style: «Man muss gross denken»

Sie las schon mit acht lieber Anatomie-Bücher, als draussen zu spielen. Heute leitet Daniela Marino das erfolgreiche Biotech-Startup Cutiss. Was ist ihre Motivation? Was ihre Superpower? Und wann war ein Tag für sie erfolgreich? Wir haben ihr 12 Fragen gestellt.

Sie wuchs in Sizilien als Tochter eines Poststellenleiters und einer Englischlehrerin auf und hatte nur einen Traum: Wissenschaftlerin zu werden. Sie studierte Biotechnologie und kam vor 15 Jahren in die Schweiz, um ihren Doktor an der ETH Zürich zu machen.

Daniela Marino strebte eine akademische Laufbahn an, wollte Professorin werden. Doch ein Forschungsprojekt änderte alles. Heute steht die 39-Jährige an der Spitze des Life-Science-Unternehmens Cutiss, welches personalisierte Hauttransplantate herstellt. Bei dem innovativen Verfahren wird aus körpereigenem Gewebe neue Haut gezüchtet. So wird bei Menschen mit grossflächigen Hautverletzungen die Narbenbildung verringert – und die Lebensqualität verbessert. Für die bahnbrechende Idee wurde das Spin-off der Universität Zürich mit Preisen und Fördergeldern überhäuft. Rund 30 Mitarbeiter haben kürzlich den nagelneuen Hauptsitz inklusive 500 Quadratmeter grossem Labor in Schlieren ZH bezogen.

Wie sie von der Wissenschaftlerin zur Gründerin wurde, worauf sie besonders stolz ist und wieso sie am liebsten mit sich selbst spricht verrät die Daniela Marino im Interviewformat 12 Frauen, 12 Fragen.

1) Was ist das Mutigste, das du je gemacht hast?

Unternehmerin zu werden. Business und Betriebswissenschaft hatten mich davor nie interessiert, meine Welt war die Wissenschaft, mein Arbeitsplatz das Labor. Aber als ich die ersten Testresultate unserer Erfindung sah, war mir klar, dass wir damit wirklich etwas bewirken können. Meine Rolle als CEO zu finden, war nicht nur fachlich, sondern vor allem auch persönlich eine grosse Herausforderung. Aber meine Motivation bleibt die gleiche: Ich möchte Menschen helfen.

2) Was sind deine Prinzipien als Unternehmerin?

Die Welt verdient mehr Unternehmer, die bodenständig und ehrlich sind. Klar, man braucht eine Vision, aber um zu seinem Ziel zu gelangen, muss man sehr methodisch vorgehen. Man muss stets bescheiden bleiben und einen Schritt nach dem anderen gehen. Es bringt niemandem etwas, wenn man mit dem Kopf gegen die Wand rennt. Wissenschaftliches Denken hilft mir dabei, genau dies zu tun. Ich bin sehr stolz auf mein Forscher-Hirn. (lacht)

3) Welche Menschen inspirieren dich?

Mein Idol war von klein auf die italienische Nobelpreisträgerin Rita Levi-Montalcini. In meinem Kinderzimmer hing ihr Poster neben dem von Freddie Mercury. Ich glaube, irgendwann waren meine Eltern ziemlich besorgt, weil ich mich nicht wie die anderen Teenie-Mädchen in meinem Alter für Jungs interessierte, sondern lieber das ganze Wochenende lang Anatomie-Bücher sowie Geschichten über Ritter und Feen las. Mein Vater glaubt, dass ich diese Faszination von seiner Mutter geerbt habe. Sie konnte nie eine Schule besuchen, wurde Hausfrau. Aber im Selbststudium beschäftigte sie sich mit Astronomie und Medizin.

4) Wie triffst du schwierige Entscheidungen?

Ich warte nicht zu lange und habe das Glück, dass ich meine beiden Hirnhälften – die rationale und die emotionale – ziemlich ausgewogen benutze. Will heissen: Zuerst analysiere ich die Situation bis ins Detail, wäge die Vor- und Nachteile jedes Puzzleteils ab. Danach lasse ich mich von meinem Instinkt leiten. Der Kopf filtert die Optionen, der Bauch fällt die Entscheidung.

5) Wann war ein Tag für dich erfolgreich?

Wenn ich nicht frustriert bin, mein Mann nicht frustriert ist, unsere zwei Kinder nicht frustriert sind und meine Angestellten auch nicht – kurz: Wenn alle um mich herum happy sind. Mir ist klar, dass das nicht jeden Tag der Fall sein kann, aber es ist trotzdem mein Anspruch. Und ich glaube, wenn die Leute um einen herum sehen, dass man sein Bestes gibt, dann sind sie auch nachsichtiger mit einem, wenn mal nicht alles glatt läuft.

6) Was ist deine Superpower?

Mein Multitasking-Talent. Die Tatsache, dass ich diesem Gespräch voll präsent sein kann und mir gleichzeitig überlege, was ich heute Nachmittag noch alles erledigen muss. Diese Fähigkeit ist schon fast überlebenswichtig, wenn man Mutter ist und gleichzeitig eine Firma aufbauen will. Obwohl ich sagen muss, dass wir bei uns zu Hause keine klassische Rollenverteilung haben: In der Küche sieht man mich selten.

7) Wo steht dein Unternehmen in fünf Jahren?

Wir sind sehr schnell gewachsen und möchten in unserem Bereich weiterhin ganz vorne mitspielen. In fünf Jahren möchten wir Patienten in Europa behandeln und bereit sein für den amerikanischen Markt. Hautdefekte aufgrund von Verbrennungen sind insbesondere in Schwellenländern wie Indien oder Brasilien ein Problem. Unser Zielt ist es deshalb ganz klar, global tätig zu sein. Vielleicht wird aus unserem «Cutiss-Haus» in ein paar Jahren ein «Cutiss-Turm». Man muss gross denken, um Grosses zu erreichen.

8) Wie lädst du deine Batterien auf?

Mit absoluter Ruhe. Die gibt es in unserer vernetzten Welt natürlich nicht im Überfluss. Deshalb auferlege ich mir auch keine klaren Offline-Zeiten. Ich mag keine strikten Regeln, ich finde lieber eine gesunde Balance. Mir reicht es schon, wenn ich nach der Arbeit 20 Minuten lang ein entspanntes Bad nehmen kann – kein Lärm, keine Kinder, keine SMS. Da kann ich auftanken.

9) Wen rufst du an, wenn du ein Problem hast?

Bevor ich meinen Mann oder meine Schwester anrufe, rede ich mit mir selber – laut und auf Englisch. Das ist kein Scherz. Wenn ich wütend bin oder ein Problem habe, führe ich Selbstgespräche. Damit habe ich als Teenager angefangen und bis heute nicht aufgehört. Darum stehen bei uns zu Hause auch so viele Spiegel. (lacht)

10) Welcher Moment oder welche Person hat deine heutige Karriere definiert?

Das war 2013, als ich im Rahmen eines EU-Förderprogramms zu einem Betriebswirtschafts-Kurs in Südfrankreich eingeladen wurde. Ich konnte meinen Mann und meine damals einjährige Tochter mitnehmen und dachte mir: Toll, wir machen eine Woche Ferien am Strand und zwischendurch mache ich mir ein paar Notizen. Doch es kam anders: Wir hatten einen fantastischen Kursleiter, der davon überzeugt war, dass ich ein Naturtalent bin. Diese Woche werde ich nie vergessen. Das war der Moment, in dem ich mich entschied, Unternehmerin zu werden.

11) Wann hast du das letzte Mal an dir gezweifelt?

Kurz nach der Firmengründung realisierte ich, dass mir das Know-how für den nächsten Schritt fehlt. Ich brauchte jemanden, der zu meinem Elan und meinem Engagement die nötige Erfahrung in der Unternehmensführung hinzu bringt. Es war nicht leicht mir einzugestehen, dass ich nicht weiterwusste. Aber heute bin ich froh, dass ich mir die nötige Hilfe geholt habe. Es war der Startschuss für unser jetziges Team.

12) Worauf bist du besonders stolz?

Auf das, was wir als Firma aufbauen. Aber nicht in geschäftlicher, sondern in menschlicher Hinsicht. Als ich meinen ersten Mitarbeiter einstellen konnte, habe ich vor Glück geweint. Unsere Angestellten werden zu absoluten Expert*innen auf einem Gebiet, das sehr trendy, modern und innovativ ist. Ihnen gehört die Zukunft – ganz unabhängig davon, was mit unserem Unternehmen geschieht.

Auch wenn sie inzwischen öfter in Sitzungsräumen anzutreffen ist: Im Labor fühlt sich Daniela Marino ganz in ihrem Element.

Von Marlies Seifert am 19. November 2020

Fabienne Hartmann-Fritsch

Paneldiskussion «Schweizer Erfindergeist verbessert die Welt»

Am Credit Suisse REPLAY Panel werden drei innovative Start-ups, die aus der Universität Zürich hervorgehen, vorgestellt. Drei Gründerinnen sprechen in einer Paneldiskussion zusammen mit dem Rektor der Universität, Prof. Dr. Michael Schaepmann über den «Schweizer Erfindergeist». Erfolgreiche Projekte, die im Idealfall unsere Welt verbessern werden.

CUTISS› Chief Clinical Officer Dr. Fabienne Hartmann-Fritsch spricht über die von CUTISS AG im Labor hergestellte Haut, die eine grosse Hoffnung für Verbrennungsopfer darstellt. Weitere Themen gehen über die Finanzierung, Hürden oder die Rolle von Frauen an der Spitze von jungen Start-ups.

> Vorstellungs-Talk mit Dr. Fabienn Hartmann-Fritsch ab Minute 07:22 – 13:35

> Paneldiskussion und Fragerunde ab Minute 27:20

Von der Forschung in die Start-up Szene: Fabienne Hartmann-Fritsch

von Startupdate – 12. November 2020

«Flexibilität ist immer gefragt»

Wir hören weitaus mehr von Männern in Führungspositionen als von Frauen, dabei haben es Unternehmerinnen genauso drauf wie ihre männlichen Kollegen. Deswegen haben wir uns mit Fabienne Hartmann-Fritsch, Co-Gründerin der CUTISS AG, unterhalten. Im Interview erzählt sie uns, wen sie gerne mal zum Lunch treffen würde, was sie mit einigen Extra-Stunden pro Tag anstellen würde und ob sie jemals an ihrer Idee gezweifelt hat.

Fällt es dir schwer, Aufgaben an andere zu delegieren?

FABIENNE HARTMANN-FRITSCH: Aus der akademischen Forschung war ich delegieren gewohnt. Ein Team führen war jedoch eine Umstellung. Für mich persönlich wiegt die Verantwortung gegenüber den Patienten und den Behörden aber deutlich schwerer.

Wie setzt du Prioritäten?

FH: Ich bin eine sehr organisierte Person, arbeite ganz klassisch mit Listen, und hake mit Freuden Erledigtes ab. Flexibilität ist aber immer gefragt, zum Beispiel wenn ein neuer Studienpatient kommt.

Hast du jemals an deiner Idee gezweifelt?

FH: Nein, das medizinische Bedürfnis ist weltweit klar vorhanden. Aber am herausforderndsten ist sicher die kosteneffiziente Herstellung.

Was ist der beste berufliche Rat, den du je erhalten hast?

FH: Caspar Coppetti’s “Get the sh*t done” finde ich wunderbar einfach und auch für uns zutreffend.

Was würdest du tun, wenn der Tag 30 statt 24 Stunden hätte?

FH: Ich würde mich im Zoo Zürich als freiwillige Helferin melden, das wäre ein super Ausgleich für mich. Als Antarktis-Begeisterte am liebsten bei den Pinguinen.

Mit welcher Unternehmerin würdest du dich gerne mal zum Lunch treffen?

FH: Cristina Mittermeier, die Gründerin von SeaLegacy, setzt sich mit ihrer Organisation für die Weltmeere ein. Ich würde mich gerne über ihre Herausforderungen im Aufbau und Führung ihrer Organisation austauschen.

Was war bisher der schönste Moment deiner Karriere?

FH: Das erste Mal unsere Haut auf einem Patienten zu sehen, war ein bewegender Moment.

Welchen Rat würdest du dir selbst zur selben Zeit letzten Jahres geben?

FH: Unseren Jahresplan 2020 auf eine Pandemie einzustellen… aber diesen Rat hätte ich sicher nicht befolgt.

Vielen Dank für das Interview!

Bevor die gebürtige Winterthurerin Fabienne Hartmann-Fritsch als Unternehmerin aktiv wurde, war sie lange in akademischen Kreisen unterwegs. 2013 promovierte sie an der Universität Zürich in der „Tissue Biology Research“-Unit, der Forschungsgruppe, in welchem die Grundlagenforschung zu ihrem Hautersatzprodukt «denovoSkin» gemacht wurde. Seit 2017 ist sie Co-Gründerin und Chief Clinical Officer bei CUTISS AG.

Die CUTISS AG ist ein schweizerisches Life-Science-Unternehmen, das sich zum Ziel gesetzt hat, Patienten mit grossen und tiefen Hautdefekten mit der ersten automatisierten, personalisierten Hautgewebe-Therapie, denovoSkin™, eine sichere, effektive und zugängliche Therapie für Kinder und Erwachsene anzubieten.

Beitragsbild: Frank Brüderli

TEDx Zurich Talk von CEO Daniela Marino

Unser CEO Daniela Marino ist zu Gast beim TEDx Zurich Women Talk und spricht über die überraschend vielen Gemeinsamkeiten, die das Muttersein mit dem Managersein verbindet.

Weibliche Führungskräfte mit Kindern haben eine tolle Möglichkeit zu Hause zu trainieren, wie man eine bessere Führungskraft ist und bei der Arbeit zu trainieren, wie man eine bessere Mutter ist. Ja, Managerinnen, die auch Mütter sind, sind müde. Aber nicht unkonzentriert, sie erbringen keine Minderleistung. Sie brauchen nicht entmutigt oder diskriminiert zu werden. Stattdessen brauchen sie volle Unterstützung, denn Mütter und Managerinnen zu sein, macht sie zu wunderbaren Geschöpfen, die der Gesellschaft, zukünftigen Generationen und der Industrie viel zu geben haben. Als Wissenschaftlerin, Jungunternehmerin und Mutter ist es Danielas Mission, ein gesundes und nachhaltiges Wachstum sowohl ihrer Familie als auch ihres Unternehmens zu fördern – sie glaubt, dass mit Kreativität, Aufopferung und Leidenschaft wunderbare Dinge erreicht werden können. Obwohl sie seit ihrem siebten Lebensjahr Forscherin werden wollte, haben ihre Neugier, ihre Entschlossenheit und ihre Risikobereitschaft sie dazu gebracht, ihre wissenschaftliche Karriere zu verlassen und ein Life-Science-Start-up, die CUTISS AG, zu gründen, mit der Vision, Patienten mit Hautdefekten durch eine personalisierte Hautgewebetherapie zu helfen. Dieser Vortrag wurde bei einer TEDx-Veranstaltung gehalten, die das Format der TED-Konferenz verwendet, aber unabhängig von einer lokalen Gemeinschaft organisiert wurde.

Erfahren Sie mehr unter https://www.ted.com/tedx

Kaffee mit…Daniela Marino

Artikel im Magazin «Finanz und Wirtschaft» (Samstag, 21. März 2020)

Daniela Marino mag ihren Espresso
Macchiato heiss und stark. In einer heissen
Phase befindet sich auch das Unternehmen
Cutiss, das sie leitet. Aus zeitlichen Gründen
trinkt die CEO, die aus Italien stammt, ihren
Kaffee meistens im Büro, das sich in der
Nähe der Uni Zürich befindet. Dort wurde
Cutiss’ Technologie zur Produktion menschlicher
Haut ursprünglich entwickelt.

Weltweit leiden jedes Jahr mindestens
fünfzig Millionen Menschen unter grossflächigen
Hautverletzungen. Die heutige Standardbehandlung
besteht darin, an einer gesunden
Körperstelle Haut zu entnehmen und sie auf
die versehrte Stelle zu legen, damit sie dort wieder
anwächst und die Wunde schliesst. Es entsteht
also eine zusätzliche Verletzung, die ebenfalls
ihre Narben hinterlassen kann. Hier soll das Verfahren von Cutiss
einen Fortschritt ermöglichen. Es muss nur eine kleine Hautbiopsie entnommen
werden. Sie wird im Labor zerkleinert, die daraus gewonnenen
Zellen werden vermehrt und dann zusammen mit einem Collagen-Hydrogel
zu einem neuartigen Hautsubstitut zusammengefügt. Cutiss bewegt
sich damit in einer ähnlichen Kategorie wie die Hersteller von Zelltherapien,
bei denen ebenfalls Körperzellen entnommen, manipuliert und
wieder zugeführt werden.

In einer Phase-I-Studie wurde denovoSkin an zehn Patienten am Kinderspital
der Uni Zürich erfolgreich auf die Sicherheit untersucht. Swissmedic,
die Arzneimittelbehörde der EU (EMA) und ihr US-Pendant FDA
haben denovoSkin den Orphan-Drug-Status zugesprochen. Damit würde
das Produkt einen längeren Marktschutz geniessen und könnte auch
rascher zugelassen werden.

Erst einmal sind aber Phase-II-Studien nötig, in der die im Labor hergestellte
Haut nicht nur auf ihre Sicherheit, sondern auch auf ihre Wirksamkeit
untersucht wird. Diese Studien laufen bereits in der Schweiz und in den
Niederlanden. Sie sind teuer und dauern voraussichtlich bis 2022. Marino
ist deshalb auf der Suche nach zusätzlichen finanziellen Mitteln im Umfang
von 30 Mio. Fr. Einige bestehende Teilhaber seien zwar bereit, bei der Kapitalerhöhung
mitzumachen. «Wir suchen aber auch neue Aktionäre und wir
benötigen vor allem einen langfristigen Ankerinvestor, der mehrere Millionen
beisteuern und unsere Vision unterstützen würde», erklärt Marino.
Die 38-Jährige hat in Mailand Biotechnologie studiert und an der ETH
doktoriert. Im Rahmen eines Postdoktorats an der Uni Zürich hat sie dann
mit dem Tissue-Biology-Research-Team an der Züchtung und Produktion
von personalisierter Haut geforscht. Nachdem erste Studien am Menschen
positiv ausgefallen waren, machte es 2017 Sinn, für die weitere Entwicklung
ein Start-up zu gründen.

Die Arbeit im Labor ist nur der Anfang. «Der Durchbruch für diese
Technologie wird erst kommen, wenn es gelingt, den Herstellungsprozess
zu automatisieren», ist Marino überzeugt. Ihr Unternehmen betritt
so die Welt des Maschinenbaus. Dazu hat sie mit dem Ingenieurbüro
Zühlke und dem Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique
kompetente Partner an Bord geholt.
Innosuisse unterstützt die Entwicklung mit knapp 1 Mio. Fr. Insgesamt
hat Cutiss nun schon 21 Mio. Fr. eingesammelt, unter anderem 3 Mio. von
der Europäischen Union und 5 Mio. von Wyss Zurich, dem aus einer
Spende von HansjörgWyss gegründeten Inkubator der Uni Zürich und der
ETH. Cutiss bewegt sich also zwischen Biotech, Chirurgie und Prozessautomatisierung.
«Das macht es für uns nicht einfacher, Investoren zu
finden», gesteht Marino. Sie ist aber zuversichtlich, dass sie bald die
nötigen Gelder zusammen hat. Dies, obwohl die aktuelle Situation rund
um das Coronavirus auch bei Investoren zur Zurückhaltung führt.
Wenn die Resultate der Phase-II-Studien gut sind, könnte Cutiss bereits
einen Zulassungsantrag für denovoSkin einreichen. Rund ein Jahr später
könnte das grüne Licht der Behörden folgen. In erster Linie würden
Verbrennungsopfer profitieren. Daneben fiele auch die Wiederherstellungschirurgie
nach anderen Unfällen oder zum Beispiel rekonstruktive Eingriffe
zur Entfernung eines grossflächigen Muttermals ins Gewicht. Alleine das
wäre laut Schätzung von Cutiss ein Markt (Europa und USA) von 2 Mrd. Fr.
Auch Anwendungen in der Schönheitschirurgie sind denkbar.

Die Haut von Cutiss ist im Gegensatz zu bereits erhältlichen Produkten
dicker, besteht aus patienteneigenen Zellen und enthält sowohl eine dermale,
als auch eine epidermale Hautschicht und kann damit besser verwachsen,
die Wunden verheilen besser. Das führt auch zu weniger Vernarbung.
Das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor, weil viele Patienten
für den Rest ihres Lebens psychisch unter Entstellungen leiden, die sie von
ihren Verletzungen und den folgenden Behandlungen davontragen.

Als aktuell grösste Herausforderung sieht Marino den anstehenden
Wachstumsschub ihres Unternehmens, das zwanzig Mitarbeiter zählt. Im
Biotechnopark in Schlieren entsteht das firmeneigene Forschungs- und
Entwicklungszentrum sowie eine Produktionsstätte. «Wir brauchen noch
mindestens zehn neue Mitarbeiter», sagt Marino. Ihren Espresso
Macchiato hat sie schon lange ausgetrunken. Sie schaut auf die Uhr und
verabschiedet sich freundlich.

Text: Rupen Boyadjian

Ihr Start-up geht unter die Haut
(Schweizer Illustrierte)

Artikel in der Schweizer Illustrierte vom März 2020

Sie gibt Brandopfern Hoffnung: Die Gründerin Fabienne Hartmann-Fritsch züchtet mit Cutiss personalisierte Haut für Patienten mit Narben oder Verbrennungen. Kinder profitieren besonders.

Eine Tasse mit heissem Tee kann bei Kindern Schlimmes anrichten. «Den kleinen Patienten mit Brandverletzungen zu helfen, motivierte mich vor elf Jahren, ins Forscherteam des Kinderspitals Zürich einzusteigen», sagt Fabienne Hartmann-Fritsch, 36. Heute ist die Winterthurerin Co-Chefin der Firma Cutiss, welche personalisierte Haut für Brandopfer entwickelt.

Auf den ersten Blick sieht das rosaglitschige Läppchen nicht nach viel aus. Doch das kleine Viereck besteht aus lebenden Hautzellen eines Patienten. Dafür wurde vier Wochen zuvor mit einer Art Sparschäler beim Brandopfer im Spital ein Stück Haut von der
Grösse einer Briefmarke entfernt, danach im Labor in Zellen aufgeteilt, mit einer Art Bouillon genährt und mit Collagen wieder zusammengefügt. «So können wir das ursprüngliche Stück Haut bis 100-mal vergrössern.»

Weltweit erleiden laut Biologin Hartmann-Fritsch rund 50 Millionen Menschen schwere Hautschäden durch Verbrennungen, Krankheit oder Operationen – 30 Prozent davon sind Kinder. «Zwar kann man heute schon Haut transplantieren, doch das Ergebnis ist
nicht befriedigend.» Die betroffenen Stellen können wohl heilen, doch oft bleiben starke Vernarbungen zurück. «Weil Narben nicht mitwachsen, leiden gerade Kinder darunter. Sie müssen immer wieder ins Spital, brauchen viel Pflege und psychologische Betreuung.» Anders bei der Haut von Cutiss. Ein dreijähriges Kind etwa habe das Transplantat erhalten, und es sei seither mit ihm gewachsen. Hartmann hat selbst keine Kinder, dafür ihre Co-Chefin, Biotechnologin Daniela Marino, 38. Als die beiden 2017 das Start-up Cutiss gründeten, war diese hochschwanger, das zweite Kind war in Meetings oft dabei. «Anfangs fiel uns gar nicht auf, dass Frauen als Gründerinnen eher selten sind», sagt Hartmann-Fritsch. Erst an Start-up Konferenzen – Cutiss gewinnt unter anderen den Female Innovator of the Year Award – merkten die beiden, wie untervertreten ihr Geschlecht ist. Heute beschäftigen sie in ihrem 21-köpfigen Team 50 Prozent Frauen.

Ziel der beiden ist es, in drei Jahren ihr Produkt, das aktuell im Unispital, dem Kispi und in Holland getestet wird, auf den Markt zu bringen. Dafür braucht es allerdings eine Automatisierung. «Es macht uns stolz, dass die Forschung, die in der Schweiz begann, vermutlich bald Verletzten weltweit helfen wird.»

Text: Jessica Pfister
Foto (im Artikel): Fred Merz
Foto (oben): Geri Born

Biotech News in der Handelszeitung

Eine kurze Berichterstattung über CUTISS AG in der aktuellen Ausgabe der Handelszeitung.

«Sie haben eine Idee,
die wirklich hinhaut

Es läuft rund für Daniela Marino
(Bild links) und Fabienne
Hartmann-Fritsch (Bild
rechts). Die Gründerinnen
des Zürcher Startups Cutiss
haben Denovoskin entwickelt, ein biotechnisches
Verfahren, um Haut so zu rekonstruieren,
dass sie nicht vernarbt und den
Patienten nicht in seiner Bewegungsfreiheit
einschränkt, wie das bei den heute
gängigen Methoden zur Hautvermehrung
der Fall ist. Die Behandlung der
ersten Patienten ausserhalb der
Schweiz, in einer niederländischen
Klinik, ist erfolgreich gestartet…»

Le Temps

Interview Daniela Marino in «Le Temps» (Französisch)

«A 7 ans, je voulais déjà être scientifique»

TECHNOLOGIES MÉDICALES En 2019, seulement une société sur quatre était fondée par une femme. A la tête de la start-up zurichoise CUTISS, qui veut révolutionner la greffe pour grands brûlés, Daniela Marino prouve que l’esprit d’entreprise se décline très bien au féminin.

Um den ganzen Artikel zu lesen, bitte dem Link folgen.

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